Hauptsache gesund

Es ist schon ein paar Jahre her, als mir eine Kollegin die schwanger war erzählte, dass sie, wenn sie auf die Frage nach dem Geschlecht des Babys sagte, dass sie es nicht wisse, häufig die Antwort erhielt: Hauptsache gesund. Diese Antwort nervte meine Kollegin, weil für sie klar war, dass sie ihr Baby, auch wenn es nicht gesund gewesen wäre, genauso angenommen hätte.


Hauptsache gesund? Ist Gesundheit wirklich das Wichtigste? Oder, welche Art von Gesundheit ist denn wichtig? Und, was heisst gesund sein überhaupt? In letzter Zeit habe ich öfter über diese Fragen nachgedacht. Und da kam mir eben oben genanntes Erlebnis wieder in den Sinn.


Im letzten Jahr wurden viele Dinge "zum Schutz unserer Gesundheit" unternommen: Wir tragen nun Masken, um uns gegen Krankheitserreger zu schützen. Die Läden und Restaurants sind geschlossen, damit man sich nicht ansteckt. Freizeitangebote sind eingestellt, das Vereinsleben auf Eis gelegt und Konzerte und Veranstaltung wurden absgeagt; der Gesundheit zu liebe. Sitzungen und Schulungen finden nun per Zoom statt, um unsere Gesundheit zu schützen. Wir sperren uns zu Hause ein, damit wir ja nicht krank werden.

Aber: Die Scheidungsrate steigt. Mehr Menschen melden sich in psychiatrischen Notfallstationen an. Kinder- und Jugendpsychiatrien platzen aus ihren nähten. Viele Menschen sind einsam. Die Arbeitslosigkeit nimmt zu (für Quellen: sie Links unter dem Text). Die Ungewissheit ob und wie es mit dem eigenen Geschäft, Job oder dem Leben überhaupt weitergeht oder z.B. die Angst unwissend krank zu sein und so ungewollt vielleicht jemanden anzustecken, verunsichert viele Menschen. Und das macht krank, obwohl diese Menschen eigentlich gesund sind...


Was heisst nun also Gesundheit? Heisst es, dass ich kein Virus oder Bakterium einfange, welches meinen Körper angreift? Dass ich ja nie einen Unfall habe und mir einen Knochen breche? Dass ich hoffentlich nie an einer chronische Kranheit leide oder gegen einen Krebs kämpfen muss? Hat Gesundheit nur damit zu tun, dass ich keine körperlichen Symptome habe?

Natürlich nicht, würde wohl jeder sagen. Sogar die WHO beschreibt Gesundheit als „ein Zustand vollständigen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit oder Gebrechen.“ Aber dennoch wird uns oft suggeriert, dass ein Leben frei von Krankheit das ist, was es anzustreben gilt.

Ich möchte in diesem Artikel nicht über die verschiedenen Coronamassnahmen streiten. Es geht mir nicht darum zu diskutieren, ob etwas in diesem Zusammenhang richtig oder falsch war.

Ja, dass ich mich wieder mal vertiefter mit dem Thema Gesundheit auseinandersetze, hat seinen Ursprung in der ganzen momentanen Situation mit Corona. Aber dieses Thema ist auch sonst in unserer Welt präsent. Man denke z.B. an die anfangs erzählte Geschichte meiner Kollegin. Ich möchte daher in diesem Artikel einfach meine Gedanken ausdrücken und vielleicht einen kleinen Anstoss geben, darüber nachzudenken, was für jeden von uns persönlich Gesundheit heisst und dass wir vielleicht unseren Blick ein klein wenig ändern.


Ich kenne mehrere Personen, die jahrelang gegen Krebs gekämpft haben. Und ich kenne davon auch viele, die trotz ihrer Krankeit Freude und Gelassenheit austrahlten. Sie waren in ihrer Kranheit und im Umgang damit, ein Vorbild für andere und Ermutigerinnen. Ich kenne Menschen, die an anderen chronische Krankheiten leiden, die sich nie beschweren. Ich kenne Menschen mit einer Behinderung, die ihr Leben so viel leichter, hemmungsloser und glücklicher zu leben scheinen, als manch ein "gesunder" Mensch.

Auf der anderen Seite kenne ich Menschen mit einer körperlichen Krankheit, die ihren Unmut darüber alle rundherum spüren lasse. Oder Menschen z.B. in der Rehabilitationsklinik in der ich arbeite, die sich gerade in der jetzigen Situation, nicht wirklich auf ihre Reha zu konzentrieren vermögen, weil es ihnen emotional so schlecht geht, da sie keinen Besuch erhalten können.

Was ist nun der Unterschied dieser beiden Personengruppen? Warum können die Einen trotz körperlicher Beschwerden fröhlich sein und andere nicht? Was macht denn nun Gesundheit aus? Und ich nenne es jetzt mal "ganzheitliche Gesundheit", denn ich glaube, dass Gesundheit ein Zusammenspiel von Leib, Seele und Geist ist; von Körper und Psyche. Jeder dieser Bereich kann "krank" oder "gesund" sein. Und ich denke, unsere ganzheitliche Gesundheit kann erhalten bleiben, auch wenn ein Teil dieses Systems krank ist. Ein grosser Teil dessen, ob ich mich selber für gesund oder krank halte, hat mit meiner Einstellung und dem Umgang mit meinen Beschwerden zu tun. Kann ich das, was mir passiert annehmen und lernen es zu akzeptieren?


Ich hatte letzten Sommer plötzlich Kopfschmerzen, die ich in dieser Art nicht kannte. Ich führte diese auf meine Verspannungen, auf das Maske tragen und die psychische Belastung zurück. Da sich die Schmerzen aber nicht wirklich besserten, kam dann doch irgendwann die Angst hoch, dass das vielleicht etwas Schlimmeres sein könnte. Ein Tumor vielleicht? Und dann habe ich mir überlegt, was ich denn machen würde, wenn ich jetzt tatsächlich ein schlimme Diagnose erhalten würde. Könnte ich damit umgehen? Könnte ich sagen, es ist ok, ich nehme diese Krankheit an? Könnte ich sagen, ich bleibe auch meinem Glauben treu und vertraue auch in einer solchen Situation, dass Gott es gut mit mir meint?

Meinen Kopfschmerzen waren wohl wirklich das Resultat von Verspannungen und Blockaden in der Wirbelsäule und verschwanden glücklicherweise nach ein paar Behandlungen bei einer Physio- und FOI-Therapeutin wieder. Darüber bin ich natürlich sehr froh und doch konnte ich während dieser Zeit etwas lernen. Ich möchte, auch wenn ich mal eine schwere Diagnose erhalten würde, mich dadurch nicht "ganzheitlich krank" machen lassen. Denn ganzheitliche Gesundheit ist für mich nicht die völlige Abwesenheit von körperlichen Gebrechen oder sonstigen Problemen. Es ist ein Annehmen meiner Person und Situation, wie sie ist. Ein in-sich-ruhen, auch wenn es stürmt. Und für mich ist das nur mit Gottes Hilfe wirklich möglich. Er hat nicht versprochen, dass er alle unsere Schwierigkeiten und Krankheiten wegnimmt, aber er hat uns versprochen, dass er genau in den schweren Zeiten mit uns ist. Er sagt zum Beispiel:

Jesaja 41,10: Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.
Jesaja 43,2: Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, und wenn du durch Ströme gehst, sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du ins Feuer gehst, wirst du nicht brennen, und die Flamme wird dich nicht versengen.
Johannes 16,33: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Und so konnte auch der Psalmist David vertrauensvoll sagen:

Psalm 23,4: Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Jesus weiss, was es heisst durch Schwierigkeiten zu gehen. Er weiss, was es heisst, Schmerzen zu haben, weil er es selbst erlebt hat. Und darum kann er uns auch trösten, ermutigen und die Kraft geben, in den schlimmsten Situationen nicht zu verzweifeln. Darum will ich meine Hoffnung auf ihn setzten und in seiner Kraft leben. In ihm habe ich ganzheitliche Gesundheit.




Quellen:

https://www.baby-und-familie.de/Coronavirus/Fuenffach-hoehere-Scheidungsrate-wegen-Corona-Pandemie-erwartet-559545.html

https://www.srf.ch/news/schweiz/psychiatrie-in-der-pandemie-wenn-das-virus-die-seele-trifft

https://www.youtube.com/watch?v=3gqeIPirj1g&feature=share&fbclid=IwAR36hnH1xrroRDxLP3KwRoYH9snbjmxM9LOPwxq0nx_ZKA7e15OBLbjxFLM

https://www.srf.ch/news/schweiz/corona-belastet-arbeitsmarkt-arbeitslosenquote-steigt-im-januar-auf-3-7-prozent

(alle Links: zugegriffen am 12.2.21)




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