Faszination weiblicher Zyklus

Einmal im Monat werde ich in meinem Blog andere Frauen zu Wort kommen lassen. Sie werden davon erzählen, was sie machen, was sie motiviert und was ihr Traum ist.

Der Anfang macht Janine Götz. Sie hat sich in ein Thema investiert, dass immer noch eher ein Thema ist, über das man nicht so öffentlich spricht. Lest selbst, wie sie dazu kam, sich vertieft mit dem weiblichen Zyklus auseinanderzusetzen und warum sie nun selber Kurse anzubieten.

Vielen Dank für diesen spannenden Artikel Janine!



Faszination weiblicher Zyklus

«Wenn Gott Sexualität nicht nur zur Fortpflanzung, sondern auch zur Freude von Mann und Frau erschaffen hat – hat er dann nicht auch an eine Verhütungsmöglichkeit gedacht?!» Diese Frage stellte ich mir als junge Erwachsene. Ich war seit einiger Zeit in einer Beziehung, so in den nächsten zwei Jahren wollten wir heiraten. Damals startete ich mit einer engen Freundin das Projekt "LovEmotion". Wir organisierten Frauentage, sprachen übers Frau sein, über Beziehungen und Sexualität. Für unsere Referate lasen wir viele Bücher. Der alte Klassiker "mit Freuden Frau sein" gab mir dann unerwartet Antwort auf meine innere Frage, zu der ich eigentlich gar

nicht aktiv eine Antwort suchte.

Tatsächlich: Gott hat die Frau so geschaffen, dass sie fruchtbare UND unfruchtbare Tage hat. Es gibt Zeiten des Schwanger-werden-könnens und des ganz-sicher-nicht-schwanger-werden-könnens. DAS hat mich von Beginn an fasziniert und seither nicht mehr losgelassen.

Wenn eine Frau die «Zeichen der Fruchtbarkeit» erst einmal an sich beobachtet und kennengelernt hat, ist es kaum mehr vorstellbar, dass dies all die Jahre davor nicht wahrgenommen wurde. Die Flüssigkeitsabsonderung des Gebärmutterhalses (Zervixflüssigkeit) im Zusammenhang mit der sich verändernden Körpertemperatur während dem Zyklus, ermöglicht die Bestimmung der fruchtbaren und unfruchtbaren Tage im weiblichen Zyklus. Diese sogenannte symptothermale Auswertung kommt an die Sicherheit der Pille heran. Voraussetzung ist das gründliche Erlernen der Methode und das Kennenlernen des eigenen Körpers (was übrigens durch einen Computer oder eine App kaum passiert).

Es folgten für mich das autodidaktische Erlernen der symptothermalen Methode, eine Weiterbildung zur TeenSTAR-Leiterin (TeenSTAR ist ein Sexualpädagogisches Programm für Teenager/Jugendliche), das Studium zahlreicher Bücher rund um den weiblichen Zyklus und das Erarbeiten von Workshops um dieses Wissen weiterzugeben. Im Rahmen meiner Anstellung bei familylife, Campus für Christus, konnte ich meine Workshops an Wochenenden für Verliebte und Verlobte halten. Privat organisierte ich Workshops für interessierte Freundinnen. Als ich meine Anstellung bei familylife Anfang 2020 beendete, wurde für mich immer klarer, dass ich all mein erarbeitetes Wissen und meine Erfahrungen im ganzen Zyklus-Themenbereich nun als selbständige weitergeben will. Ich bin dankbar für meinen Mann, der trotz meiner Kündigung weiterhin einen Tag pro Woche mit unserer Tochter zu Hause ist und mich damit freisetzt, meine Arbeit aufzubauen. So gebe ich nun regelmässig Kurse zur symptothermalen Methode, biete Beratungen dazu oder auch zu individuellen Zyklusfragen an. Daneben bin ich dran weitere Kurse zu erarbeiten (rund ums Prämenstruelle Syndrom, Zyklusbeschwerden, unreine Haut, Ehestärkung), die ich dann in nächster Zeit auch anbieten will. Zudem engagiere ich mich in diversen Bereichen rund um die Sexualität (Bspw. zum Buch «Unverschämt biblisch» von Bettler, Kuhn und Lehmann herausgegeben, durfte ich ein Kapitel beisteuern - www.biblisch.ch oder ich erarbeite mit anderen zusammen ein Aufklärungsvideo zur Pornografie-Prävention).

Was mich am «Zykluswissen» begeistert: Es dient eben nicht nur der Vermeidung einer Schwangerschaft. Frauen, die ihren Zyklus kennen, werden im Durchschnitt schneller schwanger als Paare, die es ohne Zyklusbeobachtung versuchen (da dauert es im Schnitt rund acht Monate, bis eine Schwangerschaft eintritt). Das Wissen um die Zyklusphasen ermöglicht zudem bewusster mit diesen Phasen zu leben (zyklisch leben), anstatt sich von ihnen bestimmen zu lassen. Dieses Wissen ist deshalb auch nicht nur für Frauen in einer Beziehung geeignet, sondern gerade auch für Single-Frauen. Was mich weiter begeistert: Wenn Frauen sich selbst anfangen zu beobachten, entsteht eine Faszination. «Wow, das was da über den Zyklus geschrieben steht, diese unfruchtbaren und fruchtbaren Zeiten, kann ich tatsächlich bei mir selbst beobachten, erkennen und auswerten!» Viele Frauen entwickeln durch dieses Staunen über die eigenen körperlichen Abläufe ein höheres Selbstbewusstsein und eine Wertschätzung ihrer selbst. Deshalb ist es so wichtig, dass bereits Teenager dieses Wissen um ihren Zyklus und ihre Fruchtbarkeit erhalten. Sie lernen so von Anfang an wertschätzend mit sich und ihrem zyklischen Wesen umzugehen. Bei TeenSTAR lernte ich den Spruch kennen: «Was man schätzt, das schützt man». Wenn also junge Frauen ihre eigene Fruchtbarkeit schätzen lernen - was durch die Beobachtung bei den meisten automatisch passiert – entsteht auch ein höheres Verantwortungsbewusstsein für ihre Fruchtbarkeit und Sexualität.

In anderen Völkern/Kulturen ist das «Wissen um das Frauwerden» etwas sehr Wertvolles, was stets von den Müttern an ihre Töchter weitergegeben wird. Ich wünschte mir, dass auch bei uns die erste Mens nicht bedeutet, dass die Teenagerin nun zum Gynäkologen gehen muss (zum Arzt geht man ja normalerweise, wenn etwas nicht gut ist...), sondern, dass sie bereits vorher von ihrer Mutter eingeführt wird in die «Kunst des Zyklusbeobachtens».

Als ich meinen ersten TeenSTAR-Kurs hielt, fragten mich viele über zwanzig/dreissigjährige Bekannte und Freunde, was denn dieser Kurs so beinhaltet. Mein Erzählen löste bei den meisten dieselbe Reaktion aus: «Oh Janine, das weiss ich ja alles auch nicht – kannst du nicht einen Kurs für uns erwachsene Frauen anbieten?» Sogar Männer hatten Interesse an einem Kurs ;-). So kam es zu meinen Workshops/Kursen. Und während ich nun vor allem erwachsene Frauen und Männer in den Kursen habe, wünsche ich mir, dass diese Frauen später einmal ganz selbstverständlich ihre Töchter ins «Zykluswissen» einführen werden :-).

Janine Deborah Götz, Pastorenfrau und Mutter einer 2,5 jährigen Tochter. Kursleiterin und Beraterin rund um den weiblichen Zyklus und die natürliche Familienplanung.

www.janinegoetz.ch

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