Faszination Handlettering

Einmal im Monat werde ich in meinem Blog andere Frauen zu Wort kommen lassen. Sie werden davon erzählen, was sie machen, was sie motiviert und was ihr Traum ist.

Heute stellt sich Henriette Hoevel vor. Sie ist Ärztin und schreibt gerne schön! Mit ihren kreativ gestalteten Karten beschenkt sie gerne andere mit ermutigenden Worten. Vielen Dank für das spannende Interview!



Stelle dich kurz vor:

Hallo, mein Name ist Anne Henriette Hövel.

Ich bin 28 Jahre alt und seit Ende letzten Jahres approbierte Ärztin. Ich komme aus dem Ruhrgebiet, genauer gesagt aus Essen. Hier habe ich auch die letzten Semester meines Studiums – mit einigen Unterbrechungen für Auslandstätigkeiten – verbracht. Momentan bin ich noch als Promovierende, wie es so schön heißt, an der Uni Essen und befinde mich gerade in den letzten Zügen meiner Dissertation. Demnach stehe ich momentan am Ende eines Lebensabschnittes und bin gespannt, was der Neue mit sich bringt.


Du bist Ärztin. Was motiviert dich diesen Beruf auszuüben? Und was ist dein Traum dein Beruf/Job betreffend?

Es ist für mich immer noch so ungewohnt, das zu hören. Ich liebe an der Medizin, dass sie so nah am Menschen – im wahrsten Sinne so „menschlich“- ist. Es geht um Nächstenliebe, Unterstützung und die Sorge um einander. Mich ehrt das Vertrauen, was einem von den Patienten entgegengebracht wird. Mein Anspruch an mich selber ist, dem zu genügen und meinem Gegenüber bestmöglich zu helfen. Neben diesem Bezug zu Menschen fasziniert mich, dass ich immer Neues lernen kann, sich immer neue Tiefen ergeben. Medizin ist immer im Wandel und es werden neue Dinge entdeckt. Außerdem fasziniert mich, wie relevant Medizin und Gesundheit ist und wie es mit der Umwelt, aber auch mit den politischen oder gesellschaftlichen Strukturen zusammenhängt.

Wohin mein Weg nach meiner Promotion für mich weitergeht, muss ich noch sehen. Daher bin ich gerade noch dabei einen Traum bzw. eine konkrete Vision zu entwickeln. Grundsätzlich möchte ich aber meinen Fähigkeiten und Talenten entsprechend an einer Stelle tätig sein.


Du machst Handlettering.

Wie bist du dazu gekommen und was fasziniert dich daran?

Neben meinem Dasein als Medizinerin bin ich ein sehr kreativer Mensch und das schon immer gewesen. Nicht zuletzt, weil meine Mutter als selbstständige Künstlerin meine zwei Geschwister und mich mit künstlerischen Aktivitäten in Kontakt gebracht hat. Schon immer habe ich gerne gezeichnet und gemalt. In der Schule hatte ich das Glück, in der Oberstufe den Leistungskurs Kunst wählen zu können, woran ich viel Freude hatte.

Während meines Studiums allerdings habe ich diese Aktivitäten komplett runtergefahren. Mich hat das Studium so eingenommen – insbesondere in den ersten Jahren – dass ich neben Uni, Nebenjob und Freundschaften keine Kapazitäten hatte, diese Dinge weiter auszuüben. Was zunächst einzelnen Klausurlernphasen vorbehalten war, hat sich zunehmend zu einem permanenten Zustand entwickelt. Und irgendwann habe ich festgestellt, wie meine Zufriedenheit darunter anfing zu leiden bzw. wie sehr ich das sich „künstlerisch Ausleben“ vermisst habe.

Das ist jetzt weit ausgeholt. Aber im Zuge dieser Entwicklungen habe ich in den letzten Jahren mir bewusst Zeit und Raum eingeräumt für solche Dinge.

Und zum eigentlichen Handlettering bin ich über Freunde gekommen. Während meines Auslandssemesters in Athen hatte ich eine Freundin, die mir wunderschöne Karten geschickt hat – mit Handlettering verziert. Und ich fand es so individuell und schön, dass ich dort direkt zum Künstlerbedarf gegangen bin, um mich mit Feder, Tinte und Papier auszustatten. Nicht zuletzt aus dem ganz praktischen Grund, dass ich dafür keine große Ausrüstung brauchte, die ich mir im Ausland hätte erst zulegen müssen.

Am Anfang sahen meine Versuche, einigermaßen schöne Buchstaben zu kreieren, zugebenermaßen mehr schlecht als recht aus. Aber wie in allem gilt auch hier – Übung macht den Meister. Mit der Zeit ging der Ablauf in den Kopf – und mehr noch in die Hand und ich konnte mich über die Fortschritte freuen. Über die Zeit haben Freunde und inzwischen auch immer mal andere Menschen um die Erstellung von Karten oder Ähnlichem gebeten. Inzwischen kombiniere ich gerne Handlettering mit digitalisiertem Aquarell – ich mag die Verbindung dieser Stile.

Neben diesem sinnhaften Beruf einer Ärztin oder eines Mediziners, gibt mir die rein dekorative Arbeit mit Handlettering so viel. Sie hat genauso ihren Wert und ihre Daseinsberechtigung. Es geht um die Verschönerung und Dekoration, um Ästhetik im Kleinen – zu meiner Freude und im besten Falle auch zur Freude anderer.


Was erlebst du, wenn du Handlettering oder sonstige Kunst machst? Hilft es dir zu entspannen? Oder wie geht es dir, wenn du das machst?

Ich finde in der Kunst und im Handlettering Freude und Abwechslung von sonstigen Aktivitäten. Darüber hinaus hilft es mir abzuschalten. Die Monotonie des „Buchstabenzeichnens“ am Anfang hatte etwas Meditatives für mich. Inzwischen geht es natürlich weniger darum, wie man die Buchstaben kreiert, sondern eher darum, ein kreatives und schönes Gesamtbild zu komponieren. Das kann mich manchmal ganz schön herausfordern, schenkt mir aber Freiheit im Denken. Und man kann sich hinterher an einem Produkt erfreuen!

Und nicht zuletzt freut es mich von Herzen, wenn jemand sich an dem Endergebnis miterfreut. Ich versuche auch, meinen Glauben in meine Arbeit miteinfließen zu lassen oder eine ermutigende und positive Nachricht in meinen Produkten einzuarbeiten.


Hast du ein Ziel mit dem Handlettering? Was möchtest du mit deinen Karten erreichen?

Zunächst hat sich das Handlettering ganz zielfrei als Hobby auf meiner Suche nach künstlerischen Tätigkeiten und Abwechslung entwickelt. Eher überraschend kamen über die Zeit ein paar Anfragen von Freunden und Familie, eine Karte, ein Fotobuch oder Gästebuch zu gestalten.

Als ich dann letzten Advent für eine gute Freundin Weihnachtskarten entworfen hatte, wurde ich von ihr ermutigt, diese vervielfältigen zu lassen. Dabei ist unter anderem mein Etsy-store entstanden. Momentan arbeite ich an Aufträgen für Karten für ein Unternehmen und ein lokales Geschäft. Es ist für mich komplett unerwartet und so ermutigend und erfreuend, dass offensichtlich eine Nachfrage besteht.


Hast du einen Traum, die Kunst betreffend?

Ich habe es schon immer geliebt, kreativ werden zu können. Zu malen, zu zeichnen, zu schreiben gibt mir eine Art Flow-zustand, den ich sonst nicht so erlebe. Ich habe das Gefühl, dass ich mich richtig ausleben kann.

Vielleicht eher ein Wunsch als ein Traum wäre es, mich weiter ausprobieren zu können. Dass sich wirklich Menschen an meiner Arbeit erfreuen können und wollen. Und dass ich mich weiterentwickeln kann. Ich möchte zeigen, dass wir alle vielfältig sind und dass wir uns nicht auf ein Hobby, einen Bereich oder einen Beruf einschränken müssen. Wir dürfen eine Balance erlernen und die Neigungen und Begabungen, die wir haben ausleben und zur Entfaltung bringen dürfen. Ich bin davon überzeugt, dass wir dann nicht nur am zufriedensten, sondern auch am produktivsten und motiviertesten sind.


Henriettes Kartendesigns findet man unter @lovelanguage.paper auf Instagram.

9 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen